Der Rat der Stadt Springe möge über den PUGA und den VA beschließen:

1. „Bei allen Planungen öffentlicher Flächen und bei der Bepflanzung von Grünflächen wird die Realisierung einer insektenfreundlichen Gestaltung geprüft. Über die Ergebnisse ist der PUGA in geeigneter Weise zu informieren.

2. Auf vier Referenzflächen werden über einen Zeitraum von zunächst 30 Monaten Wildpflanzenmischungen autochthoner Herkunft („heimische Arten“) als Aussaat versuchsweise ausgebracht und es werden die Kosten der Unterhaltung auf diesen Referenzflächen im Vergleich zu herkömmlicher Bepflanzung und Bewirtschaftung ermittelt. Dabei sollen Mischungen für folgende Bepflanzungsarten verwendet werden:

a. Blumenwiesen,

b. Schmetterling und Wildbienensäume,

c. Bunte Säume, d. Blumen- und Kräuterrasen

Nach 30 Monaten informiert die Verwaltung den Rat über die gemachten Erfahrungen. Der Rat entscheidet dann, ob weitere Flächen in diese insektenfreundliche Bewirtschaftungsform übernommen werden. Landwirtinnen, Landwirte, Grundbesitzerinnen und Grundbesitzer werden in geeigneter Weise auf die Teilnahmemöglichkeit an Förderungsprojekte/-programmen zugunsten der Insekten aufmerksam gemacht werden. Dafür ist ausreichendes Personal vorzuhalten.“

Begründung

Durch intensivierte Landwirtschaft haben sich die Lebensbedingungen der Blüten bestäubenden Insekten in den letzten Jahrzehnten dramatisch verschlechtert. Von den ca. 560 in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten gilt mehr als die Hälfte durch das Verschwinden von Nistmöglichkeiten als gefährdet. Bei den Honigbienen, dem drittwichtigste Nutztier in Deutschland, gibt es im Winter teilweise bis zu 35 % Verlust durch ein mangelndes Nahrungsangebot (Wildblumen und -kräuter). Bei einem weiteren Rückgang dieser Arten ist auch die natürliche Bestäubung von Ackerpflanzen gefährdet und damit die Grundlage unserer Ernährung. Die Umsetzung der beantragten Maßnahmen soll ein erster Schritt sein, um dieser negativen Entwicklung Einhalt zu gebieten. Ziel ist es, durch die Vernetzung von Blühstreifen die Strukturvielfalt dauerhaft zu erhöhen. So können wieder Lebensräume und Nahrungsquellen für Anlage zu DS 646/2016-2021 Telefon: 05045-961849 Insekten und weitere Arten geschaffen werden. Darüber hinaus sind Blühstreifen eine Bereicherung und Aufwertung des Stadtbildes. Folgende Umsetzungen sind denkbar:

- Grünflächen sollen durch eine abwechslungsreiche Blütentracht und Verringerung der Pflegemaßnahmen bspw. als mehrjährige Blühwiesen insektenfreundlich gestaltet werden. - Blühstreifen (streifenförmige Einsaat von (einheimischen) Wildkräutern und –blumen) können nahezu überall Rasenabschnitte begleiten.

- In Schulgärten können im Rahmen der Fruchtfolge Bienenweiden angelegt werden.

- Außengelände öffentlicher Gebäude (Schulen, Rathaus, u.a.) sollen eine gezielt bienenfreundliche Bepflanzung erhalten.

- Ungenutzte Flächen auf Friedhöfen können insektenfreundlich gestaltet werden.

- Grünflächen die intensiv gemäht werden oder ungepflegt sind (z.B. Spielplatz Prinzen Aue, Grundstück an Heuskamp)

Auch Blühflächen kommen nicht ohne Pflege aus, wenn sie dauerhaft erhalten bleiben sollen. Der Pflegeaufwand der Blühflächen ist jedoch- je nach verwendeter Samenmischung (einjährige oder mehrjährige Mischungen) - deutlich geringer als der von Grünstreifen. Alle Flächen sollen nur einmal zum Jahresende, nach dem Abblühen und Ausreifen, abgemäht werden. In den ersten Jahren ist solange, bis genügend Samen im Boden sind, ein Umbrechen und Neueinsäen notwendig. Weitere Pflegemaßnahmen sind abhängig von der Art der Einsaat. Dass diese Vorgehensweise mit Kosteneinsparungen für die Stadt/Kommune verbunden sein kann, zeigte eine groß angelegte Referenzuntersuchung aus Mössingen aus dem Jahr 2005. Hierbei bestätigte sich, dass Blumenwiesen grundsätzlich preisgünstiger zu pflegen sind, als konventionelle Rasenflächen. Gegenüber einfachen Grünflächen müssen Blühstreifen seltener gemäht werden. Sie werden nicht gedüngt oder bewässert. Es existieren unterschiedliche erprobte Saatmischungen für jegliche Umgebungsformen (z.B. für Verkehrsinseln, Böschungen, salzverträgliche Straßenbankettmischungen usw.). Reichliche Beispiele gibt es zum Beispiel im hannoverschen Stadtgebiet oder in Hemmingen. Mittel der EU und des Landes Niedersachsen stehen für die „Förderung der Biodiversität“ bereit. Auch Privatleute und Landwirtinnen und Landwirte sollen durch städtische Beispiele motiviert werden, mehr Blühflächen anzulegen. Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz fördert die Anlage von mehrjährigen Blühstreifen oder die naturnahe Nutzung von (Acker-) Flächen.

Von Udo Selent

Fragen die ich zur insektenfreundlichen Bewirtschaftung von städtischen Flächen im Rat der Stadt Springe am 21.6.2018 stellen möchte.

Zur Situation: Die Bundesregierung hat festgestellt, dass das Insektensterben dramatische Formen angenommen hat. Jeder Interessierte hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Ein Beispiel: Ich weiß aus meiner Jugend, wie ich geflucht habe, dass ich regelmäßig die Windschutzscheibe putzen musste, um wieder ungestört heraus zugucken zu können. Jetzt bemerke ich davon nichts mehr. Die Ursache dieses Insektensterbens ist zwar nicht abschließend geklärt. Trotzdem kann man mit kleinen Maßnahmen die Insekten schützen. Privat - indem man nicht den Rasen Beikraut frei hält, denn Klee,Vergissmeinnicht und Gänseblümchen sind doch schön. Von städtischer Seite - die Natur, Natur sein lässt. Auf die Seitenstreifen von Wegen und Straßen insektenfreundliches Saatgut säht, welches sich einige Jahre immer wieder selbst aussäht. Diese Streifen müssen dann nur noch einmal im Jahr gemäht werden. Zukünftiges Bauland bis zur Bebauung der Natur überlässt.

Meine Fragen:

1. Welche Flächen der Stadt werden, bzw. könnten extensiv (damit insektenfreundlich) bewirtschaftet werden?

  1. Diverse Flächen vorhanden wie Wegeränder, Ortseingangsflächen, Nebenflächen an Schulen, aber auch Weißer Brink, B-Plan 61 Hamannsbruch in Springe. Bei fast allen Beeten handelt es sich um insektenfreundliche Flächen, da durchschnittlich nur 2x im Jahr gepflegt werden kann.

2. Wie viel Hektar sind es (bitte eine grobe Schätzung nach Ortsteilen), wieviel ha könnten umgewandelt werden ?

  1. Keine Aussagen zu Bestand oder künftiger Veränderung möglich, da eine verlässliche Datengrundlage im Fachdienst noch nicht geschaffen werden konnte (Grünkataster wurde zurückgestellt, da entsprechende Kapazitäten – Personal - fehlen).

3. Gibt es zur extensiven Nutzung positive oder negative Stellungnahmen von den Naturschutzverbänden und den Bürgern?

  1. Im FD 66 gibt es im Sommerhalbjahr fast täglich Beschwerden, dass nicht genügend gepflegt und gemäht wird. Ähnliche Äußerungen gibt es immer wieder auch aus den Ortsräten. Positive Äußerungen, wenn überhaupt, sind so selten, dass sie nicht in Erinnerung sind.

4. Wie verhalten sich die Imker, Jäger und Landwirte zu diesen Maßnahmen?

  1. Keine Kenntnisse vorhanden

5. Wird regelmäßig geprüft, ob und wo es Förderungen gibt, städtische Flächen insektenfreundlich umzugestalten?

  1. Nein, denn Umgestaltungen kosten viel Geld (ca. 50 €/m², d.h. 1 ha umgestalten kostet 0,5 Mio €) und die Stadt ist seit Jahrzehnten in der Haushaltskonsolidierung. Voraussetzung für sinnvolles Umgestalten wäre zuers t auch eine Bestandserfassung im Grünflächenkataster. Kapazitäten für eine solche Aufgabe sind nicht vorhanden.

6. Ist nach der Umstellung auf extensiven Grünflächenpflege mit höherem Personal- oder Maschinenaufwand zurechnen oder können Kosten durch die extensive Bewirtschaftung gesenkt werden?

  1. Bei großen zusammenhängenden Flächen können die Kosten gesenkt werden, wenn wie jetzt auch schon das Mähgut liegen bleibt. Dies führt zur Nährstoffanreicherung im Boden und fördert damit eher unerwünschte Extensivkulturen. Optik ist auch mies, bei feuchter Witterung kann es auch deutlich müffeln. Soll gesammelt werden, wird eine Extensivfläche zeitaufwendiger als ein Scherrasen, wo ein Aufnehmen nicht erforderlich ist. Bei Kleinflächen steigt der Zeitaufwand mit der Extensivpflege eher an. Hier ist Scherrasen vorteilhafter. Evtl. im Aufwand ähnlich eine Umstellung auf andere Kulturen. Dies ist aber kostenaufwendig, da z.B. ein kompletter Bodenaustausch vorgenommen werden muss. Setzt wiederum eine Bestands-erfassung und darauf aufbauend eine umfangreiche Planung voraus.

Bitte beantworten Sie diese Fragen in der nächsten Ratssitzung öffentlich, denn dieses Thema ist aktuell und interessiert viele Bürger.

Danke

Viele Grüße

Udo Selent DIE LINKE.

Beschluss:

Der Ortsrat Bennigsen fordert die zuständigen Gremien (Rat, Regionsversammlung) dazu auf:

Die Bus Linie 360 Bennigsen-Wallensteinstr. bleibt in der bisherigen Taktung und Streckenführung erhalten. Dies ist im Sinne der Daseinsvorsorge notwendig.

Begründung:

Wie aus der Presse zu entnehmen war, steht die Linie 360 zur Disposition. Lüdersen droht damit eine deutliche Verschlechterung der Anbindung an Bennigsen und Hannover. Wir solidarisieren uns mit dem Ortsratbeschluss Lüdersen.

Auch für andere Springer Ortsteile ist diese Verbindung von großer Bedeutung. In den beiden Herbststürmen im Oktober 2017 musste die Bahn den Betrieb auf der Linie 5 und 51 einstellen. Ohne die Verbindung 360 hätten die in Hannover Beschäftigten aus Bennigsen, Gestorf und Eldagsen keine Möglichkeit nach Hause oder am nächsten Tag zur Arbeit zu kommen denn die Taxen wurden komplett von der Bahn angemietet.

Udo Selent

DIE LINKE.

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