von Julia Grammel
 
Nach den Ferien soll die Schule, wenn die Infektionszahlen sich weiterhin auf niedrigem Niveau bewegen, ihren normalen Regelbetrieb wieder aufnehmen. Für den Fall erneut ansteigender Covid 19 Raten sind unterschiedliche Maßnahmen geplant. Die kurzfristigen Schulschließungen im März waren adäquat. Die Freude der Schüler*innen hielt sich allerdings in Grenzen, weil viele nicht wussten wie es weiter geht, insbesondere für Absolvent*innen der Abschlussklassen. Mit Homeschooling und mit Unterricht mit geteilten Kurs- und Klassengrößen ging es im Mai weiter. Dabei lag der Fokus zum Teil nur auf den Haupt- oder Kernfächern. Schüler*innen, die ihre Zensuren verbessern wollten, hatten meist gar nicht die Möglichkeit. Viele Eltern mussten den Part der Lehrkraft übernehmen und den fehlenden Unterricht in Homeschooling durchführen, was nicht allen Eltern in die Wiege gelegt ist.
Und nicht jede Lehrkraft war verbindlich zu erreichen, um das Lernen zu Hause zu begleiten.
 
Positiv:
 
Es gab keine Corona Ausbrüche in den Schulen!
 
Die Pandemie hat unser mangelhaftes Schul- und Bildungssystem offengelegt. Marode Schulgebäude, viel zu große Klassengrößen und fehlendes Lehrpersonal führen die Mangelliste an. Hätte man in der Vergangenheit auf kleine Klassengrößen, auf ausreichendes Personal und genügende Räumlichkeiten gesetzt, wäre eine komplette Wiedereröffnung des Schulbetriebes nach den Osterferien ohne Probleme möglich gewesen. Kinder und Jugendliche, die vorher schon einen höheren Unterstützungsbedarf brauchten sind in den letzten Monaten weiter abgehängt worden, sei es weil die technische Ausstattung für Homeschooling nicht zur Verfügung stand oder sie keine Ansprechpartner*innen zu Hause hatten. Diese Schüler*innen stehen nochmals mehr auf der Verliererliste, die sie auch erst einmal nicht wieder verlassen werden. Das Gejammer der Wirtschaft ist groß, der Schrei nach staatlicher Hilfe laut. Die Politik schürt Hilfspakete für Betriebe oder der Staat beteiligt sich an Wirtschaftsunternehmen, damit eine Rezession milder ausfällt. Die Hilferufe der Schüler*innen bleiben ungehört. Die Pandemie hat die schon jahrelang angeprangerte Chancenlosigkeit vieler benachteiligter Kinder in unserem Schul- und Bildungssystems erneut schonungslos aufgedeckt. Mit digitalen Investitionen im Schulbereich ist es nicht getan. Wir brauchen ein langfristig angelegtes Konjunkturprogramm für die Schulen, nicht nur für die Wirtschaft.

LinkePV Webbanner Mitglied 260x105px