von Julia Grammel
 
Wir lernen aus unseren Fehlern und das schon seit Kindertagen. Aus Fehlern lernen scheint in der Corona Krise kein Ansatz für Problemlösungen zu sein. Die Infektionszahlen sind seit Herbst rasant angestiegen. Maßnahmen, um die Fallzahlen zu senken, brachten nicht den gewünschten Erfolg. Nun sind weitere drastischere Einschnitte notwendig.
 
Wieder schließen die Schulen komplett. Sicherlich sind Schulen die Bereiche, die ein erhöhtes Infektionsrisiko mit sich bringen. Mangelnder Infektionsschutz wie Luftreiniger für Klassenräume, Plexiglas Wände und gute Atemschutzmasken fehlen bis heute an den meisten Schulen. Obwohl nach dem ersten Lockdown im Frühjahr den Schulen mehr Unterstützung zugesagt wurde, ist nichts geschehen. Die Lösung hieß Lüften und nochmals Lüften in bestimmten Zeitintervallen. Virologen bezweifeln eine effektive Reduzierung der Virenlast durchs Lüften. Auch ließen sich in vielen Schulen die Fenster zum Lüften nicht öffnen.
 
Mit dem Ende der Weihnachtsferien befinden sich die Schüler*innen nun wieder im Distanzunterricht, mit all den bekannten Problemen, die schon im letzten Schuljahr das Lernen Zuhause erschwerte. Die fehlende technische Ausrüstung, die Überforderung der Eltern, weil sie Homeoffice und Homeschooling gleichzeitig bewältigen mussten. Auch wurden zahlreiche Schüler*innen einfach „abgehängt“. Ihnen fehlte die notwendige familiäre Unterstützung beim häuslichen Lernen. Nicht alle Eltern sind der Lage, den fehlenden
Unterricht zu ersetzen. Zum Schuljahr 2020/21 sollte alles besser und chancengerechter werden, eben aus Fehlern lernen. Internetfähige Endgeräte, finanzielle Unterstützung der Schulen für Infektionsschutzmaßnahmen versprachen die Schulträger. Der Bund stellte das dafür notwendige Geld in Aussicht. Die Kommunen, für die Ausstattung der Schulen zuständig, hatten da eher lethargisch reagiert. Die bürokratische Beantragung unterlag dem Anstieg der Infektionszahlen. Warum der Bereich der Bildungspolitik in der Pandemie so eklatant vernachlässigt wird, ist nicht mehr nachvollziehbar. Erstklässler, die gerade Lesen und Schreiben lernen, gehen nach den Weihnachtsferien erst einmal in den Distanzunterricht. Eltern sind wieder gefordert und müssen das erste und auch das entscheidende Schuljahr ihrer Kinder alleine bewältigen. Präsenzunterricht ist elementar. Er ermöglicht Sozialkontakte. In der Schule werden Freundschaften geschlossen, dort treffen Kinder und Jugendliche auf Gleichaltrige. Alles zusammen fördert ein gesundes Selbstbewusstsein und damit eine stabile und psychische Entwicklung und die Motivation zum Lernen.
 
Die Bundesregierung unterstützt eine große Reiseveranstalterin großzügig mit einem Milliardenbetrag. Wir müssen in der Pandemie die Schüler*innen berücksichtigen. Kinder und Jugendliche werden ihren Platz in der Gesellschaft einmal einnehmen. Gelingt das nicht, verfügen sie später nicht über das entsprechende Einkommen, um in einen „Touristenbomber“ zu steigen. Volkswirtschaftliche Prognosen gehen von Einkommenseinbußen aufgrund der Pandemie aus, mit denen die derzeitigen Schüler*innen in Zukunft rechnen müssen. Der Staat hat einen Bildungsauftrag. Kinder und Jugendliche haben einen Anspruch auf gute Bildung und Chancengleichheit. Und das auch in der Pandemie. Nach fast drei Wochen Weihnachtsferien bewegen sich die Infektionszahlen immer noch auf einem hohen Niveau. Die Schulen scheinen da wohl weniger das Infektionsrisiko zu sein.
Der erste Schultag nach den Ferien verlief eher holprig. Zum Schulstart versagte der Bildungsserver, das i-serve, aufgrund von Überlastungen. Digitales Lernen befindet sich wohl weiterhin erst am Anfang.
 

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