Wie oft denken wir an unser Bett? Wohl eher selten. Für viele Menschen ist ein eigenes Bett keine Selbstverständlichkeit. Die Zahl obdachloser Menschen in Hannover steigt stetig. Über 450 von ihnen müssen auf der Straße leben und schlafen. Annähernd 5000 sind ohne Wohnung. Wohnungslose kommen zum Teil bei Freunden oder Verwandten unter. Das Problem ist schon lange keine reine Männersache mehr. In beiden Gruppen ist der Anteil von Frauen in den letzten Jahren stark gestiegen. Problematisch, wenn Frauen gezwungen sind, Beziehungen einzugehen, die sie mit eigenem Bett nicht eingehen müßten. Auch kann das Leben auf der Straße in den Wintermonaten lebensbedrohlich sein. Im letzten Winter sind Obdachlose in Hannover erfroren.

 

Für mich ein Grund, einen Antrag zu stellen (Drucksache Nr. 15-3020/2019 der Landeshauptstadt Hannover), der die Öffnung der Flüchtlings- und Obdachlosenunterkünfte in Frostnächten im Stadtbezirk für Obdachlose forderte, die sich ständig in Ahlem, Badenstedt und Davenstedt aufhalten. In der Bezirksratssitzung vom 5. Dezember 2019 fand mein Antrag die Zustimmung aller politischen Vertreter*innen des Bezirksrates. Der Fachbereich für Unterbringung der Stadt Hannover reagierte schnell. Seit dem 23.12.19 stehen 30 Notschlafplätze in Ahlem (Ahlemer Holz) für Obdachlose zur Verfügung. Die kostenlose Aufnahme ist dort ohne Anmeldung und ohne Vorsprache möglich. „Danke für das Bett“, so ein Betroffener im Stadtbezirk über die Wintermaßnahme. Notschlafplätze lösen das Problem der Obdachlosigkeit aber nicht. Notunterkünfte ohne Privatsphäre mit den bekannten Problemen wie Alkohol- oder Drogensucht, Diebstähle und psychische Erkrankungen der Hilfesuchenden werden meist gemieden und nur aufgesucht, wenn es gar nicht mehr anders geht, in Notfällen eben. Wer einmal aus dem System fällt hat fast keine echte Chance, den Weg wieder zurückzufinden. Betroffene brauchen Unterstützung und vor allem Empathie. „Ihr sprecht über uns, aber nicht mit uns“, ein oft zitierter Satz von Obdachlosen. Eine respektvolle Betreuung und ein eigenes Zuhause sind Garanten für eine Rückkehr in die Gesellschaft.

 

Julia Grammel für die Linke. Stadtteilgruppe West

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