Problemlage Verkehr: Robert-Koch- Krankenhaus

Diese Woche (seit Montag, 28.9.2020) beginnt die 2. Phase der Auftragsvergabe für das schon 2019 beschlossene Verkehrskonzept. Nachdem die Firma für die Durchführung des Verkehrskonzepts ausgewählt ist, wird es 2021 voraussichtlich Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung geben, bei denen die verschiedene Problemlagen, die man in Gehrden mit dem Verkehr hat, zur Sprache kommen können.

So lange muss man natürlich nicht mit der öffentlichen Diskussion warten. Man sollte es auch nicht, weil bestimmte Themen gar nicht so lange warten können. Da ist zunächst die Diskussion über die Verkehrsanbindung des Krankenhauses. Dort sollen in den nächsten Jahren 160 Millionen € investiert werden. Im Sommer 2020 wurde dazu eine Verkehrsstudie eines Ingen vorgestellt. Der Artikel dazu von Con-nect fasst die Ergebnisse folgendermaßen zusammen:

Bereits jetzt ist das Verkehrsaufkommen sehr hoch und Parkplätze sind rar. Darunter leiden besonders die umliegenden Straßen und Anwohner. […] Die Anbindung an den ÖPNV ist demnach ausbaufähig. Dafür fällt der PKW-Verkehr umso größer aus. Rund 2.000 Fahrten am Tag wurden in der Franzburger Straße gemessen und 1.500 Fahrten in der Robert-Koch-Straße. Wenn in Zukunft die Behandlungszahlen steigen, sollte laut Ingenieursbüro in Zukunft mit einer Steigerung des Verkehrs von zehn bis 15 Prozent ausgegangen werden. Darüber hinaus werden die Anliegerstraßen zusätzlich zum Parken genutzt, gerne auch im Halteverbot. (Bericht von Con-nect)

Bereits 2018 beschrieb das unveröffentlichte Verkehrskonzept der HAWK das Problem folgendermaßen:

Die Anbindung des Klinikums erfolgt allein über das umliegende Wohngebiet. Die Straßen sind in diesem Bereich sehr eng bebaut und lassen eine gute Erreichbarkeit des Klinikums nicht zu. Durch das Parken der Kraftfahrzeuge an den Straßenrändern wird diese Situation nochmals deutlich verschlechtert. (HAWK-Studie, S.21)

Hier besteht deutlicher politischer Handlungsbedarf. Dies zeigt sich insbesondere darin, dass die Anwohnerinnen und Anwohner in der Nähe des Krankenhauses eine ausführliche Stellungnahme geschrieben haben, und diese an die im Rat der Stadt Gehrden vertretenen Parteien geschickt haben. Die beste Lösung für den Verkehr wäre eine neue Zufahrstraße, die, sofern möglich, nicht durch ein Wohngebiet führt. Dafür gibt es nur eine Möglichkeit, nämlich zwischen dem Waldrand und den letzten Häusern des anliegenden Wohngebietes entlang, und dann weiter zur K230. Siehe dazu die folgende Karte. Die zweite Möglichkeit, südlich am von-Reden-Park entlang, erachte ich als suboptimal, weil sie für den Bus etwas länger wäre, und weiterhin durch ein Wohngebiet führt.

Der fließende Verkehr ist aber nur das zweitranginge Problem. Tatsächlich steht in der Stellungnahme der Anwohnerinnen und Anwohner der ruhende Verkehr, die ganze Problematik mit der Parkplatzsituation, deutlich im Vordergrund. Wie sich dies, unter den Annahme, dass die Menschen weiter mit dem Auto zum Krankenhaus fahren, lösen ließe, das weiß ich auch nicht. Deswegen ist auf der Karte auch ausführlich die Buslinie 500, mit der geforderten Verlängerung nach Weetzen, eingezeichnet. Wenn die Menschen mit dem Bus fahren können, dann stellt sich das Problem der Parkplätze kaum noch. Dann kann man nämlich jedem, der sich über zu teure kostenpflichtige Parkplätze oder die lange Suche nach freien, kostenlosen Parkplätzen beschweren würde, entgegenhalten, dass er ja mit dem Bus fahren kann. Dies Argument funktioniert aber nur, wenn es auch eine gute Busverbindung gibt.  Richtung Hannover gibt es dies ja auch, (aktueller Fahrplan) auch wenn der Bus etwas lange bis zum Hauptbahnhof braucht. Aber die MiterarbeiterInnen und BesucherInnen des Krankenhauses kommen teilweise gar nicht aus Hannover, sondern mit der S-Bahn aus Springe, Wennigsen oder Barsinghausen – und bislang gibt es keine Umsteigemöglich in Weetzen (oder Ronnenberg), wo die S-Bahn der Linie 1 und 5 (bzw. nur der Linie 1) halten.   

Insbesondere der Bahnhof in Weetzen wäre aber einfach anzubinden. Man müsste nur Linie 500 um eine Station verlängern. Deswegen wird dies auch von allen Akteuren vor Ort gefordert; alle Gehrdener Parteien und das Gehrdener Jugendparlament, sowie die Bürgermeisterin von Ronnenberg, fordern das. Zusätzlich sollte man aber auch noch die Möglichkeit in Betracht ziehen, den Bahnhof in Ronnenberg ebenfalls an die Linie 500 anzubinden, um auch die Fahrzeit für den nördlichen Teil Gehrdens zu verkürzen. Natürlich würde die Fahrtzeit dann für Menschen, die mit dem Bus aus Hannover nach Gehrden fahren, einige Minuten länger; dafür wäre sie für diejenigen, die mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof fahren können, und dann in den Bus umsteigen, merklich kürzer.  Dafür ist gerade eine neue Straße sinnvoll, um die längere Fahrzeit der Linie 500 möglichst kurz zu halten.

Politisch wäre es sinnvoll, diese Straße als Kreisstraße zu planen, bei der Planung, Bau und Instandhaltung durch die Region Hannover übernommen werden. Zum einem hat die Stadt Gehrden keinen finanziellen Spielraum und kann den Neubau einer solchen Straße nicht ohne weiteres übernehmen. Zum anderen ist der Wald am Gehrdener Berg natürlich ein Landschaftsschutzgebiet! Programmatisch ist der vorgeschlagene Bau einer Straße durchaus vertretbar, auch unter ökologischen Gesichtspunkten. Schließlich würde die neue Straße nicht quer durch ein Landschaftsschutzgebiet  verlaufen, sondern man würde auf der einen Seite 20-30 Meter vom Waldrand wegnehmen, und würden die Bäume natürlich an einer anderen Seite des Waldes an einer geeigneten Stelle als Ausgleichsfläche wieder neu anpflanzen. Zum anderen ist die neue Straße ausdrücklich dafür gedacht, die Busverbindung zu verbessern – und wenn dies erfolgreich ist, hilft es, CO2 einzusparen.

Politisch müsste ein solcher Eingriff in ein Landschaftsschutzgebiet jedoch, soweit ich informiert bin, durch die Regionsversammlung beschlossen werden. Dann kann man der Regionsversammlung auch gleich die Entscheidung darüber vorlegen, diese Straße als Kreisstraße zu bauen. Wenn insgesamt 160 Millionen für den Ausbau des Krankenhauses ausgeben werden sollen, dann sollte die Region die zusätzlichen Kosten für den Ausbau der Verkehrsanbindung des Krankenhauses auch aufbringen können.

Problemlage Verkehr: Gehrden-Ost

Das zweite Thema ist die Verkehrslage im Gewerbegebiet Gehrden-Ost.  Dies ist aktuell in der Diskussion im Zusammenhang mit der Frage der Ansiedlung von Regiobus.  Ein Anlieger beschriebt dies so, dass „es in der Robert-Bosch-Straße […] leider immer wieder zu kniffligen Szenen zwischen großen LKW [kommt]. Dies sehe ich täglich denn dort habe ich mein Büro [..] Viel zu eng für große LKW!“

Ich meine, der Engpass in der Robert-Bosch-Straße sei aber schon vorher Thema gewesen, bei der Ausweisung des Wohngebietes ‚Thiemorgen‘. Der gesamte Autoverkehr von und zu dem Neubaugebiet erfolgt über die Robert-Bosch-Straße und die Nikolaus-Otto-Straße.  Es wäre für die Verkehrsanbindung sicherlich besser, wenn der Lieferverkehr zum Gewerbegebiet Gehrden-Ost (genauer: dem östlichen Teil davon), eine zweite Zufahrtsstraße hätte, und nicht gezwungenermaßen durch die Robert-Bosch-Straße fahren muss. Die nahe liegende Option (Variante 1) wäre eine Verlängerung der von Ronnenberg kommenden Gehrdener Straße.

Hier tritt jedoch das gleiche Problem auf, wie bei der oben vorgeschlagenen Zufahrtsstraße zum Krankenhaus. Ein kleiner Streifen westlich der Ronnenberger Straße auf der Höhe der Einmündung der Gehrdener Straße ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen! Man müsste also entweder einen Beschluss der Regionsversammlung haben, um den Landschaftsschutz für diese kleine Teilfläche (!) aufzuheben, oder man müsste die zweite Zufahrtsstraße für das Gewerbegebiet nordwestlich davon an die Ronnenberger Straße anbinden. Dies wäre Variante 2.

Nun sollte man eigentlich meinen, dass eine dieser beiden Varianten in dem Konzept zur Ansiedlung von Regiobus vorgesehen ist, aber dies ist offenbar nicht der Fall. Auf der Planskizze von Regiobus ist zwar eine direkte Verbindung zwischen der Ronnenberger Str. und dem bestehenden Wendehammer der Heinrich-Goebel-Str. eingezeichnet, aber diese führt über das geplante Betriebsgelände, und ist, wie mir gesagt wurde, nur als Feuerwehrzufahrt vorgesehen. So lange ein Verkehrskonzept von Regiobus, oder wenigsten eine für die Öffentlichkeit aufbereitete Kurzfassung der Planung des Betriebshofes nicht vorliegt, kann ich dieser Aussage nicht widersprechen. Im Zweifelsfall hätte man dies aber in dem Entwurf des Bebauungsplans sehen können, wenn dieser beantragt wird. Soweit wird es nun aber wahrscheinlich nicht mehr kommen. Mit ihrer Mehrheit im Bauausschuss haben CDU, Grüne und AfD gestern (29.9.) bereits beschlossen, die Planungen von Regiobus abzulehnen (Bericht bei con-nect ) Die endgültige Entscheidung des Rates fällt natürlich erst auf der Ratssitzung am 7.10. (Eintrag im Ratsinformationssystem).

CDU und Grüne gehen offenbar, wie aus ihrem Antrag hervorgeht, davon aus, dass es möglich ist, die Gewerbeflächen auch ohne Regiobus zu entwickeln. Die SPD würde das wohl bestreiten. 

Neben den Vorteilen, die die Stadt durch die Ansiedlung erwartet, spielt die Erschließung der Fläche an sich eine tragende Rolle. Die aufgekaufte Fläche gehört zwei Eigentümern. Ein Eigentümer möchte nur verkaufen, wenn entsprechendes Tauschland geboten wird. Da dies nicht wirtschaftlich umsetzbar war, hat die damals zuständige Hannover Region      Grundstücksgesellschaft (HRG) die Verhandlungen aufgegeben. Regiobus konnte diese Flächen bieten und führte die Verhandlungen erfolgreich zu Ende. Auch Hauke Jagau betonte noch einmal: „‘Kein anderer wird diese Fläche wirtschaftlich erschließen können. Das örtliche Gewerbe könne nur Flächen bekommen, wenn Regiobus sie verkaufe.‘“ (Bericht von Con-nect)

Die Fläche, die der Regionspräsident Hauke Jagau hier meint, ist, soweit ich weiß, die östliche Fläche. Variante 2 wäre dann nach wie vor möglich, man müsste die neue Zufahrtsstraße nur so weit nach Westen verschieben, dass die östliche Fläche (deren Eigentümer nur an Regiobus verkaufen will) davon nicht berührt wird.

Vielleicht ist an dieser Stelle aber schon der Eindruck entstanden ist, dass ich selbst eine andere Lösung vorziehen würde. Dieser Eindruck täuscht nicht. Die Ansiedlung von Regiobus bietet für die Stadt Gehrden die buchstäblich einmalige Gelegenheit, Zugeständnisse von der Region Hannover zu erhalten. Man sollte in diesem Zusammenhang über den Bau einer Kreisstraße für eine bessere Zufahrt zum Krankenhaus wenigstens einmal diskutieren.


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