von Julia Grammel

 

Viele Fahrgäste nutzen öffentliche Verkehrsmittel zurzeit eher mit gemischten Gefühlen. Die Angst vor Ansteckung fährt mit, die gesunkenen Fahrgastzahlen belegen dies. Mit dem neuen Schuljahr und einem Regelbetrieb sind Busse und Bahnen wieder während der Hauptverkehrszeiten stark überfüllt. Besonders die Linien, die Schüler*innen vor Schulbeginn und nach Schulschluss befördern, überschreiten die Grenze des Erträglichen, wenn es um die Fahrgastzahlen pro Bus geht. So auch die Linie 581, die Schüler*innen aus unserem Stadtbezirk in das Schulzentrum Badenstedt und in die Leonore Goldschmidt Schule, fährt.

 

Für mich Anlass genug, einen Dringlichkeitsantrag für die letzte Bezirksratssitzung am 10. September vorzulegen (Drucksache 15-2024/2020 der LHH). Ich forderte 3 Verstärkungsbusse auf der Linie 581 zusätzlich zum fahrplanmäßigen Bus in Richtung Mühlenberger Markt (Abfahrt Ahlem 7:26 Uhr Ankunft Mühlenberger Markt 7:44 Uhr) einzusetzen. Die Eilbedürftigkeit wurde nicht von allen Mitgliedern des Bezirksrates unterstützt. Damit wird dieser Antrag im November als „regulärer“ Antrag auf der Tagesordnung unseres kleinen Stadtparlamentes stehen und dann auch erst behandelt.

 Bekannt ist, dass die Linie 581 vor Schulbeginn und nach Schulschluss meist stark frequentiert ist. Eltern sorgen sich nun um die Gesundheit ihrer Kinder, weil so gut wie gar kein Abstand im Fahrgastraum eingehalten werden kann. Die ÜSTRA hat in Pressemitteilungen stets betont, die Nutzung ihrer Busse und Bahnen sei sicher. Private Feierlichkeiten seien überwiegend der Grundgestiegener Infektionen (siehe NP vom 10.9.20) Feiernde nutzen auch öffentliche Verkehrsmittel und das nicht nur für den Heimweg von einer Party! Seit Monaten wissen wir, der Schulbetrieb muss auch in Corona-Zeiten wieder regulär aufgenommen werden. Die ÜSTRA und die Region Hannover als Aufgabenträgerin für den öffentlichen Personennahverkehr hatten genug Zeit, um das Problem extrem überfüllter Busse und Bahnen im Vorfeld zu lösen. Wenn mangelnde Personalkapazitäten oder fehlende Fahrzeuge den momentanen Druck nicht auffangen, erscheint es sinnvoll und zwingend geboten Fremdfirmen zu beauftragen. Viele private Reisebusunternehmen haben ihre Fahrer*innen in Kurzarbeit schicken müssen, weil Tages- und Urlaubsfahrten nicht mehr stattfinden. Fahrgäste wünschen sich verständlicherweise gerade jetzt mehr Platz im Fahrgastraum und damit Sicherheit. Der stark gestiegene Auto- und Fahrradverkehr belegt dies. Corona offenbart die Mängel des Hannoverschen Personennahverkehrs. Wer Menschen für Bus und Bahn gewinnen will, muss mehr bieten. Pünktlichkeit, verdichtete Takte (auch an Wochenenden), Sauberkeit, Erreichbarkeit in Wohnortnähe, Bequemlichkeit während der Fahrt und vor allem Sicherheit sich nicht anzustecken entscheiden über Nutzung oder Nichtnutzung des öffentlichen Transportsystems. Mit WLAN in Bussen, das zudem noch sehr langsam ist und nicht vor Ansteckung schützt, gewinne ich Fahrgäste nicht wieder zurück. Auch im Hinblick auf den Klimawandel müssen die Hannoverschen Verkehrsbetriebe ihre Angebote schnellst möglich verbessern. Der Zustand der ÜSTRA ist letztendlich das Ergebnis politischer Entscheidungen und politischer Einflussnahme.

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