von Julia Grammel
 
Der Bezirksrat hat in seiner Sitzung am 10.2.22 über den Ausbau der Heisterbergschule in Ahlem von zwei auf vier Züge und deren Umzug entschieden. Die Heisterbergschule soll zukünftig in der Petit-Couronne-Straße auf dem Gelände des ehemaligen Schulzentrums ihren neuen Standort einnehmen. Mit 14 Ja Stimmen ging die Beschlussdrucksache Nr. 2330/2021 der Landeshauptstadt Hannover durch. Die Erhöhung der Zügigkeit und ein Neubau sind erst einmal zu begrüßen. Der Fachbereich Schule der Stadt Hannover hält die Erweiterung für notwendig, weil mit höheren Schüler*innenzahlen in den nächsten Jahren zu rechnen ist und ein Bedarf überwiegend im Haupt- und Realschulbereich erwartet wird.
 
Vorschläge, die Chance zu nutzen und am ehemaligen Schulzentrum eine IGS zu ermöglichen oder für die Heisterbergschule kleinere Klassengrößen festzusetzen, fanden beim Fachbereich Schule und einem Großteil des Bezirksrates keine Zustimmung. Im Gegenteil, dass dreigliedrige Schulsystem scheint immer noch das bevorzugte Schulmodell zu sein. Ein antiquiertes System, das hierarchisiert, selektiert und die Klassenunterschiede innerhalb der Gesellschaft weiter zementiert. Schon mit dem Ende der Grundschulzeit erhalten die Schüler*innen eine Laufbahnempfehlung für eine weiterführende Schule. Zukünftige Fähigkeiten und Entwicklungen bei einem Kind mit 10 Jahren zu prognostizieren erscheint gewagt. In Deutschland hängt Bildung leider immer noch vom Geldbeutel der Eltern ab. Kinder aus wohlhabenden Familien können auf mehr Förderung durch ihr Elternhaus "bauen", weil ausreichend Geld für Nachhilfeunterricht zur Verfügung steht oder der Besuch einer Privatschule möglich ist. Ebenso findet, auch wenn angeblich keine Klassenunterschiede in Schulen existieren, schon bei den Kleinen eine soziale Segregation statt. Ich erinnere mich dabei an meine Schulzeit zurück. Der Beruf eines Elternteils, meist der des Vaters, wurde im Klassenbuch dokumentiert. Carolin und Christoph Butterwege widmen in Ihrem Buch: "Kinder der Ungleichheit" dieser Problematik ein Kapitel, mit dem so treffendem Titel: "Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg -zum Abitur, zum Studium und zur beruflichen Karriere", vgl. Butterwege, Frankfurt/M. 2021, Seite 105ff. Kinder entwickeln sich auch auf dem Weg zu einem Erwachsenen ständig neu. Wir sprechen auch von Spätzündern, wenn sich plötzlich eine positive Entwicklung im schulischen Bereich einstellt. Mit einem dreigliedrigem Schulsystem bleiben Potenziale unentdeckt, weil ein zementierter Bildungsweg vorgegeben wird. Integrierte Gesamtschulen ermöglichen ein gemeinsames Lernen bis zur 10. Klasse und bieten damit die Chancen für individuelle Entwicklungen und auf Bildungsgerechtigkeit. Auch in Klassen mit einer kleineren Schülerzahl kann gezielter auf die jeweiligen Schwächen der Schüler*innen eingegangen werden. Leider entscheidet das Land über die Klassengröße. Nicht so ganz nachvollziehbar, da örtliche Schulbelange im Kommunalbereich mit Sicherheit besser eingeschätzt werden können und auch schneller umsetzbar wären. Meine Frage an den Fachbereich Schule, ob bei der Planung der neuen Heisterbergschule auch der Elternwillen nach mehr Integrierten Gesamtschulen Berücksichtigung fand, blieb leider unbeantwortet.
 
 

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