Von Julia Grammel

Fehlanzeige. In Ahlem wurde ein Bauvorhaben einer Wohnungsbaugesellschaft erst einmal durch den Bauausschuss der Stadt Hannover gestoppt. Der Bauantrag, der 50 Wohneinheiten auf einem großen Grundstück im Bereich der Krugstraße und Herzogsborn vorsah, erschien der Stadt anscheinend zu monströs, obwohl der ursprüngliche Bebauungsplan Mischbebauung (Einzel- und Doppelhäuser sowie mehrgeschossige Bauweise) ermöglichte. Schnell konnte der Bebauungsplan mit Hilfe eines Eilverfahrens, durch einen Aufstellungsbeschluss, geändert werden, siehe Beschlussdrucksache Nr. 1676/2018 der Landeshauptstadt Hannover. Damit wird vorerst „die gewachsene Struktur kleinteiliger Bebauung mit Einzel- und Zweifamilienhäusern“ gesichert. Für den Investor bedeutet das, er muss von seinem Bauvorhaben mit 50 Wohneinheiten Abstand nehmen, da mit der Änderung „eine Zurückstellung des Baugesuchs“ möglich wird. Der Bauantrag berücksichtigte Mietwohneinheiten in verträglicher Höhe, die im Bereich der übrigen Bauflächen auch schon bestehen.

In Zeiten der Wohnungsknappheit ist das Vorgehen der Landeshauptstadt Hannover nicht nachvollziehbar. Mit einer kleinteiligen Bebauung werden wieder einmal nur die Menschen berücksichtigt, die es sich finanziell leisten können in einem Haus, sei es zur Miete oder im eigenem Eigentum, zu wohnen. Auf politischer Ebene wird Hauseigentum vorgezogen, die Lage auf dem Mietwohnungsmarkt einfach ignoriert. Die Fläche läßt eine Wohnanlage zu. Gerade auch im Hinblick auf die Sozialbindung, die 30% Sozialwohnungen bei Neubauten fordert, ist der Bauantrag zu begrüßen.

Vielleicht entstehen dort auch bezahlbare Reihenhäuser wie in Wettbergen über die der Stadtbaurat Bodemann konstatierte, „überraschend günstig, Wohnen mit niedrigem Einkommen“, siehe Hannoversches Wochenblatt vom 26.9.18, Seite 15. Ein 120qm großes Reihenhaus als „Rohbauvariante“ für mindestens 275.000 Euro für niedrige Einkommen zu empfehlen, offenbart die Realitätsferne der Verwaltung. Wer mit niedrigem Einkommen für eine Immobilie ohne Innenausbau (Küche, Bad) 275.000 Euro „hinblättert“, muss über einen extrem hohen Eigenkapitalanteil verfügen, um die monatlichen Abträge mit einem niedrigen Einkommen bewältigen zu können.

Unser Ratsherr Dirk Machentanz hat im Bauausschuss gegen die Änderung in Ahlem gestimmt. Vorrangig stehen Mietwohnungen im Fokus.

 

Unser Hörtipp: Die parteiübergreifende Gruppe „Gnadenlos Gerecht“ stellt sich am 9.11. von 16 bis 17 Uhr über das Internetradio „Radio Flora“ vor. Ihr Anliegen: Auf die Probleme der von Armut betroffenden Menschen, besonders die Wohnsituation, aufmerksam machen. Die Sendung wird am 18.11. wiederholt.

 

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