Am 17. Juni 2018 traf sich in Hannover der "Landesrat LINKE Frauen (LLF). Die überregionale Kampagne der Linkspartei "Menschen vor Profite: Pflegenotstand stoppen" war eines der Hauptthemen.Die Kampagne soll auf den katastrophalen Zustand des öffentlichen Gesundheitswesens hinweisen und Antworten aufzeigen.


Die Teilnehmerinnen des LLF begrüßten diese politische Schwerpunktsetzung einhellig. Zunächst berichteten sie über erste Erfahrungen der konkreten Umsetzung von Aktionsvorschlägen der Kampagne. Die waren unterschiedlich. Sie umfassten Solidaritätsaktionen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, die viel Zustimmung erfuhren, aber auch Resignation und Desinteresse, die in Gesprächen an Infotischen deutlich wurden.


Der Landesrat LINKE Frauen bedauert aber, das der Kampgne jede feministische Dimension fehle, obwohl Fürsorge- und Pflegearbeit mehrheitlich noch immer das Betätigungsfeld von Frauen ist. Leider ist diese Arbeit schlecht oder gar nicht bezahlt.
Der LLF ist sich einig darüber, das die Marginalisierung und Unterbewertung von Fürsorge- und Pflegearbeit ihre historische Begründung in der Tatsache hat, dass sie Zeit braucht, wenn sie in menschenwürdiger Weise getan wird. Das widerspricht der Logik von Gewinnmaximierung, die Zeiteinsparung als Voraussetzung hat. Dieses Argument feministischer Analyse in der Pflegekampagne auszubuchstabieren, könnte ihr eine antikapitalistische Perspektive geben, die das Motto „Menschen vor Profite“ untermauert und die Kampagne als unverwechselbar LINKS von anderen Parteien abheben lässt.


Gewalt in der Pflege ist vermeidbar


Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hatte eine Studie in Auftrag geben, heraus gekommen ist, das etwa die Hälfte der pflegenden Angehörigen empfinden, dass ihr Engagement vom Pflegebedürftigen teilweise nicht geschätzt wird. Viele sind häufig niedergeschlagen oder wütend. Etwa jeder Zweite berichtet, Gewalt durch den pflegebedürftigen Menschen erlebt zu haben. 40 Prozent geben an, selbst schon gewaltsam gegenüber dem Pflegebedürftigen gehandelt zu haben.
Diese Gewalt kann aber verhindert werden. Dazu Pia Zimmermann (MdB-Sprecherin für Pflegepolitik):"Wenn die Menschen mit Pflegebedarf und ihre Angehörigen die Unterstützung bekommen, die sie benötigen. Das sieht unser Pflegesystem aber gar nicht vor. Es ist nicht nur undurchschaubar bürokratisch und teuer für die Betroffenen, sondern immer öfter gibt es gar keine professionelle Unterstützung mehr für die pflegenden Familien. Die ambulanten Pflegedienste bluten aus und müssen schon seit Jahren viele Klienten ablehnen, weil sie schlicht keine Kapazitäten mehr haben. Viele Angehörige von Menschen mit Pflegebedarf sind seit Jahren völlig auf sich gestellt. Der Horror in der Altenpflege muss endlich aufhören. Wir brauchen endlich ein schlüssiges Gesamtkonzept für die Pflege, damit Angehörige und Menschen mit Pflegebedarf wirksam vor Gewalt geschützt werden. Die Pflege gehört in die Mitte der Gesellschaft und darf nicht weiter abgehängt werden.“
Zimmermann weiter:„Dieses Ausmaß von Gewalt in der häuslichen Pflege ist ein Armuts-zeugnis für die Pflegepolitik der Bundesregierung“ .
Den Pressetext vom Zentrum für Qualität in der Pflege findet ihr hier: https://www.zqp.de/wp-content/uploads/ZQP_PI_GewaltHaeuslichePflege.pdf


Wenn Sie mehr über unsere Kampagne erfahren und mit uns darüber diskutieren möchten, haben wir einen Termintip für Sie:
Mittwoch, den 18. Juli wird Pia Zimmermann (MdB) die Pflegekampagne zusammen mit Jessica Kaußen (Regionsversammlung) und Dirk Tegtmeyer (Stadtrat Gehrden) vorstellen.
Los geht es um 19:00 Uhr im park:geflüster, Franzburger Str. 15, 30989 Gehrden


In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Sommerzeit.
Siegfried Seidel

 

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