Unser Ratsherr in Springe, Udo Selent, ist nicht nur in der LINKEN aktiv unterwegs, sondern auch bei der  Betroffenen Initiative „Gnadenlos Gerecht“. Diese Initiative gestaltete eine Sendung bei dem Internetradio "Radio Flora"

Sendetermine sind der 09.11 (16 - 17 Uhr) und die Wiederholung kommt am 18.11.18 (11 - 12 Uhr).

Hier gibt es den Podcast zur Sendung

Das Interview mit Udo Selent können Sie hier schon vorab lesen.

 

Gnadenlos Gerecht (GG): Udo Selent, wie bist zu Gnadenlos Gerecht gekommen?

 Udo Selent (US): Aus rein persönlichen Gründen. Nach einer schwere Krankheit hat mein Arbeitgeber mich gekündigt. Obwohl ich viele Jahre Höchststeuersatz und Unterhalt zahlte, bin ich jetzt nach 1 ½ Jahren auf Hartz IV gesetzt. Trotzdem kürzt das Amt den Regelsatz, denn meine Wohnung war dem alten Einkommen angemessen. Umziehen ist nicht möglich, weil es keine billiger Wohnungen in Springe gibt. Auch in Springe, einem Vorort von Hannover, fehlen günstige Wohnungen.

 

GG: Was können wir tun?

 US: Wohnen ist nicht nur eine Unterkunft, sondern mehr: Teilhabe mit persönlichem Umfeld, Kneipen, Läden und für die Kinder Kindergartenplätze Schwimmbäder und Schulen. Auch weg muss man kommen können, also der Wohnort muss ein Ort mit guten Bahn- und Busverbindungen sein.

 

GG: Wem gehören die Häuser?

 US: Die Kommunen haben in einem Privatisierungswahn alles verkauft was private Gewinne versprach. Jetzt gehören viele Wohnungen internationalen Konzernen, wie Deutsche Wohnen oder Vonovia. Unternehmen, die mit amerikanischem Steuergeld aufgepäppelt wurden. Mit diesem Hinweis möchte ich sagen, dass die Bundesregierung bei diesem Thema nicht wirklich eigenständig agieren kann. Gut das TITIP nicht durch gekommen ist. Sonst wäre es durch den Investorenschutz noch schwieriger geworden.

 

GG: Wer hat diese Wohnungen bezahlt?

 US: Viele dieser Wohnungen wurden mit Steuergeld (sozialer Wohnungsbau)gebaut und anschließend haben die Mieter sie mit Unterstützung vom staatlichem Geld bezahlt. Den Gewinn kassieren aber jetzt andere.

 

GG: Udo, stellst Du gerade die Eigentumsfrage?

 US: Ja, sowie die Armut vererbt wird, wird auch der Reichtum vererbt. Im Moment entscheidet der Zufall der Geburt, ob jemand Boden oder Wohnungen besitzt. Wer reich geboren wird, bleibt reich. Die Frage nach dem Eigentum an Wohnungen und Boben ist eine Frage der Demokratie. In der DIE LINKE gibt es Forderungen Wohnkonzerne wie Vonovia oder Deutsche Wohnen, die ganze Stadtteile aufkaufen, zu enteignen. Die Mieten und damit die Gewinnen werden auch aktuell durch staatliche Mietzuschüsse und Kosten der Unterkunft (Hartz IV) weitgehend bezahlt. Deshalb sollte der Ertrag auch demokratisch verteilt werden. Das wäre gerecht, GNADENLOS GERECHT.

 

GG: Was könnte passieren?

 US: Die Kommunen müssen diese Wohnungen zurück zu bekommen. Wenn das kurzfristig nicht möglich ist, müssen Wohnungen gebaut werden, die dem gesunkenem Einkommen der Alleinerziehen, Studierenden, Armutsrentner/innen und den Aufstocker/innen angemessenen Einkommen, gebaut werden. Gerade DIE LINKE Springe setzt sich dafür stark ein. Dafür meinen Dank.

 

GG: Hast Du die Hoffnung, dass sich was ändert?

 US: Ja! Im Jahr 2016 waren ca. 86000 Menschen obdachlos, hinzu kommen die Menschen, die Wohnungslos sind, also bei der geschiedenen Ehefrau, bei den Eltern, bei Freunden oder in Kleingärten schlafen müssen. In beiden Gruppen steigt die Zahl der Menschen. Diese Menschen werden ihre angedichtete individuelle Schuld nicht dauerhaft annehmen.

 

GG: Welche Vision hast Du, Udo?

 US: Wie alle Menschen, will ich nicht nur Wohnen, sondern Leben. Nicht nur die Mietpreise, sondern auch die Architektur und Stadtplanung beeinflusst unser Zusammenleben. Schön wäre eine Nachbarschaft mit unterschiedlichen Menschen, mit kulturellen Angeboten, guten Einkaufsmöglichkeiten und gutem öffentlichen Nahverkehr. Wir müssen eine angstfreie und solidarische Wohnform für alle finden. Die Rechtsform ist mir eigentlich egal.

 

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