12. Februar 2018   Einblicke - Region Hannover
Energiearmut

Haushalte, die Transferleistungen wie Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II oder Wohngeld empfangen haben oft Schwierigkeiten ihre monatlichen Abschläge an die Energieversorger zu zahlen. Das liegt zum Teil an der Höhe der Stromrechnung, die im Verhältnis zu den Transferleistungen zu hoch ist. Ein Angebot ist der Stromsparscheck in der Region Hannover.

Das bundesweite Projekt, das seit 2011 vom Bundesumweltministerium finanziert wird und die AWO Region Hannover koordiniert, nimmt den Energieverbrauch unter die Lupe und informiert über vermeidbaren Stromverbrauch wie z. B. Stand-by-Verbrauch. Stromexperten kommen und beraten Haushalte, die Transferleistungen beziehen, kostenlos zuhause. Das Angebot beinhaltet ebenfalls kostenlose Soforthilfen, die helfen den Energieverbrauch zu senken. LED Leuchtmittel, Perlatoren und ein Duschkopf gehören zum Maßnahmenpaket. Auch ein Zuschuss wird gewährt, wenn ein energieeffizienterer Kühlschrank angeschafft wird. Das Projekt unterstützt nicht nur Transferleistungsbezieherinnen und -bezieher, sondern trägt dem Klimaschutz Rechnung.

Das Projekt erweckt den Eindruck, Menschen, die staatliche Unterstützung erhalten, hätten kein Talent sich energiesparend zu verhalten. Generell sind die Anteile für Strom in den Regelsätzen für Arbeitslosengeld II zu niedrig. Auch bei sparsamen Verbrauch deckt der Anteil nicht den eigentlichen Betrag der Stromrechnung. Eine Studie der Caritas von 2015 zeigt, dass der Stromanteil im Regelbedarf um mind. 20% für einen Single erhöht werden muss. Bei Familien, insbesondere mit kleinen Kindern, liegt der Prozentsatz sicherlich höher. Ein hehres Ziel, Haushalte durch Stromsparsschecks zu entlasten. Es wäre aber sinnvoller den Stromanteil im Regelbedarf auf Grundlage des tatsächlichen Verbrauchs zu berechnen. Gerade Haushalte mit wenig Geld können sich keine teuren effizienteren Haushaltsgeräte leisten. Für Kühl- und Gefriergeräte wurden 2015 monatlich 1,24 Euro im Regelsatz für Neuanschaffungen veranschlagt! Auch ist der Bedarf an Strom höher, weil sie mehr Zeit zuhause verbringen Wird Warmwasser mit einem Boiler erhitzt, treibt das die Stromrechnung in die Höhe. Stromsperren sind nicht selten und treffen gerade die Menschen, die sich in prekären Lebenssituationen befinden und eigentlich schutzbedürftig sind. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen sind für die Betroffenen schlimm.

Ich erinnere mich an einen Vortrag, den der Armutsforscher Christoph Butterwegge in den Räumen eines Energieversorgers gehalten hat. Er berichtete über eine Rentnerin, die im Rahmen eines Radiointerviews anrief. Sie saß bei Kerzenschein in der Küche, weil ihre kleine Rente nicht ausreichte, um die Wohnung bei Dunkelheit zu beleuchten und auch zu beheizen. Kein Einzelfall in unserem reichen Land.

In unserer Gesellschaft existieren viele Formen von Armut. Energiearmut gehört dazu. Auch diese neue Bundesregierung wird die Facetten der Armut weiterhin ignorieren und keine Abhilfe schaffen. (www.stromsparscheck-hannover.de)

Julia Grammel

 

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